Fußgängerzone im Fokus beim Forum

Erschreckende Entwicklungen

Luxusort für Fahrräder

Der wieder außerordentlich gut besuchte Arbeitsstammtisch des Forum Passau e.V. im Waldschloss stand unter dem Thema „Niedergang der Fußgängerzone“. Trotz widrigen Winterwetters brachten sich viele der rund 50 anwesenden Mitglieder mit fundierten Beiträgen in die Diskussion ein. Vorsitzender Friedrich Brunner war sichtlich erfreut, dass auch zahlreiche amtierende Stadträte und Stadtratskandidaten das Meinungsspektrum bereichterten. Brunner wies in seinem Impulsvortrag auf einen zentralen Missstand hin: „Statt teure und kurzfristig wirksame Events zu organisieren, sollte sich das City Marketing auf das kleine Einmaleins des Fußgängerzonen-Managements beschränken. Bis jetzt wird nämlich nicht einmal die von der Stadt erlassene Werbeanlagensatzung vollzogen. Wie ist zu erklären, dass seit Jahren der Wildwuchs an Kleiderständer, wild flimmernde Anzeigen und vollständig zugeklebte Schaufenster immer weiter zunehmen. Die Fußgängerzone wird verschandelt.“ Weitere Missstände seien die zunehmenden Leerstände, das Abwandern Inhabergeführter Läden mit Niveau, die rasante Zunahme von Barbershops, gesichtsloser Ketten und Billig-Ramschläden, so Brunner. Nicht zu unterschätzen sei auch die zunehmende Kommerzialisierung des öffentlichen Raums durch Gaststätten: „Ein attraktives Verweilen ohne Konsumzwang ist in unserer Fußgängerzone eigentlich kaum noch möglich“, stellte Brunner fest und verwies in diesem Zusammenhang auch auf die attraktive Fläche am Dietrich-Bonhoffer-Platz, wo eine Baumreihe nur für Fahrradständer, nicht aber für Menschen Schatten spendet und zum Verweilen einlädt. Die großen Herausforderungen wie Klimawandel und Hitzeschutz seien in der FuZo nur mangelhaft erfüllt, die Installation einiger weniger Trinkbrunnen sei noch lange nicht ausreichend, um die Aufenthaltsqualität in immer heißeren Sommermonaten zu gewährleisten. Als Gründe für diesen negativen Strukturwandel führte Brunner die überzogenen Mietforderungen mancher Hausbesitzer, den Online-Handel und die Sogwirkung der Stadtgaleria an. Das größte Problem liege in der Trägheit der bisherigen politischen Entscheidungsträger. In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden viele Verbesserungvorschläge gesammelt, etwa weitere Bänken und Beschattungen an Bushaltestellen. Beklagt wurde der zunehmend schlechter werdende Straßenbelag. Mögliche Lösungsansätze gegen Leerstände wurden thematisiert, auch hier wünschten sich viele Mitglieder eine baldige Verbesserung mit Blick auf immer mehr verfallende Fassaden. Kleinere Lichtblicke wie ein kleiner Blumenladen oder die Buchhandlung „Cozy Corner“, die neu in der Grabengasse entstanden sind, können über das Gesamtfazit aber nicht hinweg trösten. „Die Fußgängerzone steht vor einem Kipppunkt. Der neue Stadtrat muss unbedingt die Verwaltung dazu anhalten, zumindest die städtischen Satzungen konsequenter durchzusetzen“, bekräftigte Friedrich Brunner.