Dieses Haus war für die Stadtgeschichte bedeutend, war es doch die Direktorenvilla der überregionalen renommierten Passauer Porzellanfabrik Lenck. Auch dem FORUM lag es am Herzen, wir konnten erreichen, dass es als Einzeldenkmal ausgewiesen wurde. Es lag inmitten eines traumhaften großen Parks mit mehr als hundertjährigen Rotbuchen, Ahorn und Linden am Innufer, mit Sichtachse zum Dreiflusseck. Der Park ist nun total vernichtet und komplett versiegelt, minderwertige Investorenarchitektur verschandelt das Ortsbild. Diese deprimierende Ergebnis zeigt wieder einmal das Versagen der Denkmalpflege: Nach dem Denkmalschutzgesetz hätten rund um die historische Villa nur Neubauten genehmigt werden dürfen, die in der Kubatur dem alten Denkmal entsprechen. Auch wurde die Bevölkerung belogen, wurde doch eine Wiederaufforstung versprochen. Gekommen ist eine deprimierende Steinwüste. Umso peinlicher wirkt in diesem Zusammenhang das Propagandagetöse der Stadt, die jede Minibegrünung der Fußgängerzone zur ökologischen Großtat aufbläht, während weitere Großversiegelungen genehmigt werden. Deshalb ist auch ein neuer Flächennutzungsplan dringend nötig, der den rechtlichen Rahmen schafft, zumindest solche fatalen Fehlentwicklungen wie in der Innstadt zu verhindern. Das ist jedes Geld wert, und man kann dann wie in Regensburg auch Luftströmungen bei der Ausweisung von Baugebieten berücksichtigen. Früher war das Landesamt für Denkmalpflege noch kein zahnloser Tiger; die Entwicklung rund um die Lenckvilla aber ist ein denkmalpflegerischer und ökologischer Offenbarungseid der Stadt Passau.
Friedrich Brunner
